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Donnerstag, 27. April 2006

Als die Bäume noch fliegen konnten

Man sah sie über den Himmel gleiten. Sanft schwebend. Im Sturzflug nach unten und wieder hoch hinauf. Aufgeregt flatternd und kräftig die Schwingen schlagend. Ja, denn damals hatten die Bäume noch Flügel. Die Vögel waren es, die am Boden zurückbleiben mussten, denn jene waren es, die die Kunst des Fliegens nicht beherrschten. Nur die Bäume. Sehnsuchtsvoll schauten die Vögel den Bäumen zu wie sie sich von der Erde erhoben und dort oben die Freiheit genossen. Traurige Lieder sangen die Vögel. Sehr traurige und sehr schöne. Die Bäume waren gerührt von diesem Gesang. Selbstlos wie Bäume sind und voller Mitgefühl schenkten sie den Vögeln die Fähigkeit zum Fliegen und warfen ihre Flügel ab. Fortan waren es die Vögel, die den Himmel eroberten und die Bäume sahen ihnen mit etwas Wehmut zu, aber auch mit Freude, denn nun sangen die Vögel die Lieder der Freiheit, denen die Bäume gerne lauschten. Sie wiegten sich im Wind zu diesen Melodien.

Das ist lange her, kaum jemand weiß davon. Und noch seltener kommt es vor, dass man einen Flügel findet, der einstmals einem Baum gehörte.

Die Wasser teilen

Eine Landspitze in den Fluss getrieben. Der kleine Leuchtturm schaut blind auf den ungeteilten Strom zurück - hier trennen sich die Wasserwege. Das Land dazwischen ist an den Rändern sumpfig, aber der Damm in der Mitte gibt Halt.
Stille, die nur durch vorbeifahrende Schiffe unterbrochen wird. Wenige legen an. Der Wunsch kommt auf, einfach mitzufahren. Nicht nur bis dahin, wo der Fluss wieder geeint und ein ganz anderer ist, sondern weiter, viel weiter. Dorthin, wo die Weite des Meeres wartet. Aber das hat Zeit, der Blick auf ein Schiff reicht aus. Die Ruhe ringsum ist immer noch kostbar.

Moorwerder