Donnerstag, 11. Mai 2017

Klugscheißer vs. Dumpfbacke

Sicher sind beide allgemein nicht besonders angesehen, aber mich würde mal interessieren, was sozusagen als kleineres Übel angesehen wird. Zur besseren Einordnung erst einmal meine Definitionen beider Termini. Ein Klugscheißer ist für mich jemand, der zumindest in einigen Bereichen Ahnung hat, von dem, was er spricht (jemand, der meint, alles zu wissen ist meiner Meinung nach nur dumm). Jedoch kann er sein Wissen meist nicht für sich behalten, sondern teilt dieses auch gern mit. Wobei – so wie ich es empfinde – dies nicht ein Ausdruck von Arroganz sein muss. Also nicht nur ein Mitteilen von Wissen, sondern auch ein Teilen. Wenn auch dieses mitunter sehr penetrant sein kann. Unter Dumpfbacke verstehe ich jemanden, der sich gar nicht darum bemüht, Wissen zu erlangen. Also das, was man derzeit so postfaktisch nennt. Allgemein macht man sich hierbei keine Gedanken, setzt sich mit nichts auseinander und hinterfragt nichts, aber hat eine Meinung zu allem. Oder gar keine, weil man alles andere als irrelevant einstuft. Tja, was ist nun sympathischer? (Über die Definitionen kann man gern noch mal diskutieren.)
zuckerwattewolkenmond - 2017.05.11, 21:30

Ich glaube,

Dumpfbacken sind sympathischer, einfach deshalb, weil Dumpfbacke zu sein es in gewisser Hinsicht erleichtert, glücklich im Leben zu sein. Man nimmt halt alles so wie man es kennt und muß nichts hinterfragen, das macht es irgendwie einfacher. Und vielleicht auch sympathischer, wenn man das denn so zu nehmen weiß. Eine Dumpfbacke allerdings, die zu allem eine Meinung hat, ist der schlimmste und nervigste Klugscheißer überhaupt.

C. Araxe - 2017.05.12, 19:26

Interessante Sichtweise in vielerlei Hinsicht. Sie finden also glückliche Menschen quasi per se sympathischer, unabhängig davon, was diese Menschen ansonsten ausmacht (in diesem Fall Dumpfbacken)? Sie gehen automatisch davon aus, dass Dumpfbacken glücklicher sind und demzufolge Klugscheißer nicht oder zumindest weniger?
zuckerwattewolkenmond - 2017.05.13, 12:11

Nein, ich gehe

nicht automatisch davon aus, aber es ist eine Überlegung von mir. Deshalb schrieb ich "ich glaube". Es ist aber Fakt, daß in Sympathie oder Antipathie zuerst einmal der erste Eindruck entscheidet, egal, was einen Menschen sonst ausmacht. Da sind wir alle so gestrickt, weil das Denken langsamer ist als die unbewußten Eindrücke. Und ich glaube, daß ein Mensch, der mit sich glücklich ist, deshalb auch leichter sympathisch gefunden wird. Klugscheißer, zumindest die wirklich intelligenten, haben die (nicht unsympathische)Tendenz, nicht nur alles, sondern auch sich selbst zu hinterfragen. Dass führt dazu, daß der erste Eindruck eben auf andere ebenfalls ambivalent ist, außer der Klugscheißer hat es gelernt, auch mit seinen Selbstzweifeln ins Reine zu kommen und sie nicht kompensiert.
NeonWilderness - 2017.05.12, 14:32

Ich habe mal versucht, die einzelnen Elemente gedanklich zu dekonstruieren und dann strukturiert zu versammeln, was ein durchaus aufschlussreiches Bild ergibt:

Klugscheißer vs. Dumpfbacke

Zum Wissen des Klugscheißers mengt sich ja immer auch eine gewisse Arroganz, nämlich die, es besser zu wissen als (der|die) andere/n. Aus dieser subjektiven Empfindung generiert sich sein unbedingtes Sendungsbewußtsein, das gefühlte Richtigwissen dem "Falschwissenden" aufzuzwingen.

Arroganz gepaart mit Dummheit ist eine der gefährlichsten Mischungen, weil dort — unter Umständen weltbewegende — Entscheidungen in völliger Ahnungslosigkeit, aber maximal übersteigerter Selbstsicherheit getroffen werden.

Naivität und Dummheit schließlich ergeben die bekannte Dumpfbacke. Unwissenheit, Blödheit und Ahnungslosigkeit treffen auf Ignoranz und Desinteresse.

Muss man nun entscheiden, was sympathischer ist? Nö, am besten, man macht einen großen Bogen um alle diese Mischtypen.


C. Araxe - 2017.05.12, 19:59

Ich habe den Klugscheißer aus meiner Sichtweise im Beitrag ja schon etwas in Schutz genommen bzw. relativiert, dass Arroganz nicht unbedingt so ein prägendes Merkmal sein muss. Oder rein persönlich finde ich, dass es durchaus möglich ist, ein Klugscheißer zu sein, sich aber doch mehr oder weniger (das liegt natürlich im subjektiven Ermessungsrahmen) sozial verhalten kann. Oder sagen wir mal so, man weiß einiges definitiv besser, aber das kann man (oder manchmal verzichtet man auch darauf) auch so vermitteln, dass man es nicht als arrogant bezeichnen kann.

Ihre damaligen (zum Wahlergebnis) Aussagen zu Trump sahen ja eher so aus, dass Sie Trump schon gewisse Kompetenzen einräumten. Das scheint sich ja nun etwas geändert zu haben ...

Sicher muss man sich nicht in Bezug meiner Fragestellung entscheiden (müssen), aber ich habe das einfach mal hier im toten Raum des Internets zur Debatte gestellt, weil ich eben mal wissen wollte, was andere (die wenigen) dazu denken. Und die Antwort von Frau Zuckerwattewolkenmond ist für mich hierbei schon allein eine Perspektive, über die ich mich gern austauschen würde.
NeonWilderness - 2017.05.13, 15:03

Naja, von ignoranten (aka dumpfbackigen) Menschen wird Kompetenz oder vertikales Wissen oft als Arroganz diffamiert, quasi ein Schutzreflex vor einem Wissensvorsprung, dessen unterliegender Mühe und Disziplin man sich mangels Impetus und Motivation selbst nie unterwerfen würde. Oder anders gesagt: Wenn einer behauptet, jemand sei arrogant, schaue ich mir das lieber noch mal selbst an. Manchmal sind auch einfach nur die Waffen ungleich verteilt.

Re Trump: ich pflege ein großes Mißtrauen ggü. der prototypischen Politikerklasse, insbesondere jenen wie z.B. Frau Nahles oder Herrn Spahn, die geradewegs vom Politikstudium in weiche Fraktionssessel wechselten und nach meiner Überzeugung niemals das wirkliche Leben, Leistungsdruck, Existenzangst, Veränderungsdruck etc. kennenlernten. Ich bevorzuge Politiker, die eine belastbare Alternative, eine Ausbildung, einen Job, jahrelange Projekt- oder Führungsverantwortung im Reallife hatten oder haben, bevor sie meinen, anderen Menschen politische Vorgaben machen zu können. Ich hoffte, Trump würde diese Bodenständigkeit eines Non-Politikers mitbringen und habe mich geirrt. Leider ist da nichts außer egomanes Gehabe, krankhafter Narzissmus und gefährliche Ignoranz (sowie auch eine veritable Senilität).

C. Araxe - 2017.05.13, 21:56

Wenn Sie jetzt immer noch Trump verteitigen würden, hätte ich schon erhebliche Zweifel an Ihrer Zurechnungsfähigkeit gehabt. Aber allgemein habe ich da noch immer meine Zweifel.
nömix - 2017.05.13, 08:14

Der Klugscheißer vulgo Fachsimpel ist ein redseliger Kauz aus der Spezies der Sachgimpel. Artspezifische Merkmale: neigt dazu, über je weniger desto mehr zu wissen. Macht gern viel Federlesens. Er ist nicht vom Aussterben bedroht.
Die Dumpfbacke vulgo Einfaltsdimpfel hat meist einen großen Schnabel und versteht zwar nicht worüber sie schnattert, das aber umso lauter. Sie ist wie der einfältige Gockel, der morgens kräht und meint die Sonne ginge seinetwegen auf.

C. Araxe - 2017.05.15, 20:48

... und ist ebenfalls nicht vom Aussterben bedroht.
NBerlin - 2017.05.13, 13:21

Also ich mag Klugscheißer, wahrscheinlich weil ich selbst einer bin, aber sicher nicht aus Arroganz. Dumpfbacken sind mir jedoch zuwider, mit denen kann ich nichts anfangen.

C. Araxe - 2017.05.15, 20:49

Ist man selbst einer, ist mindestens die Toleranz auf jeden Fall größer.
bonanzaMARGOT - 2017.05.15, 06:55

ich mag klugscheißer generell nicht... mochte ich schon zu schulzeiten nicht.
die absolute dumpfbacke gibt`s gar nicht.

C. Araxe - 2017.05.15, 20:51

Absolutes gibt es soundso in den meisten Fällen nicht. Relative Dumpfbacken gibt allerdings auch schon ausreichend genug.
bonanzaMARGOT - 2017.05.16, 05:14

sind wir menchen nicht generell dumpfbacken? und klugscheißer dazu?
C. Araxe - 2017.05.17, 22:35

Vieles kann man relativieren, aber hierzu greife ich mal zu Tucholsky: „Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.”
bonanzaMARGOT - 2017.05.18, 05:30

da stelle ich mich jetzt mal dumm.
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