Montag, 10. April 2006

Zeige Deine Wunde – Befreiende Kunst

So lautet der Name einer Wanderausstellung, die derzeit auf Kampnagel zu sehen ist. Vertreten sind Werke von 123 Künstlern mit Psychiatrieerfahrungen.

Es werden größtenbteils keine heilen Welten gezeigt, sondern Verletzungen und Verletzlichkeiten, die wohl niemanden unberührt lassen. Die Intensität ist sicher durch ihre Authentizität begründet, aber das sollte auf jegliche künstlerischen Ausdrucksformen zutreffen, ansonsten finde zumindest ich sie uninteressant. Auch wenn sich Art Brut seit/durch Jean Dubuffet zunehmend etablierte, psychisch Kranke werden nach wie vor stigmatisiert. Gerade bei vielen Bildern dieser Ausstellung, die teilweise nur im weitesten Sinn der Art Brut (der Terminus Zustandsgebundene Kunst trifft es auch nicht unbedingt besser) zuzuordnen sind, stellt sich die Frage, wo überhaupt das Kranke zu orten ist. Sitzt es wirklich da tief im Innern oder befindet es sich nicht doch eher dort draußen in der Außenwelt?

Jean-Michel Laval: Nicht Hingucken! Behindert

siam - 2006.04.10, 09:59

das denke ich mir auch immer wieder. wenn man nicht aufpasst, hat man sich ganz schnell ein schutzzimmerchen gebastelt oder einen präsentierteller, aus krankheit.
in unseren landen gibt es keinen platz für trauer und schmerz. es ist kaum ein gesunder umgang damit möglich, ohne ausgegrenzt zu werden.
die argumentation: alles, was so stigmatisierte menschen tun / erreichen / wollen / schaffen, wird kausal auf ihre krankheiten zurückgeführt. entweder als konsequenz oder als gegenbewegung. hat man sich einmal auf diese begriffsspielchen eingelassen, kommt man so schnell nicht mehr raus.

C. Araxe - 2006.04.10, 10:13

Bezeichnend wird es, wo genau Abgrenzungen erfolgen - d.h., wo die Grenzlinie ausgemacht wird zu dem, was als "gesund" und dem, was als "krank" bezeichnet wird.
Eskorte fragile - 2006.04.10, 10:52

naja, im grunde stimmt es schon, dass sie ihre krankheiten SIND. Vor allem, wenn man es so betrachtet, dass der mensch einfach von natur aus krank IST.

die beschäftigung mit seinem eigenen zeug halte ich für sinnvoll, das permanente sich-damit-entblößen weniger, schon deshalb, weil das schweigen eine ganz außerordentliche und oftmals unterschätze kraft ist, die das zusammenfließen der bewusstseinskräfte zur folge hat. das hilt natürlich nicht für den beginne einer heilung, bei dem es vielleicht einer therapie bedarf. allerdings hält sich die blöße dort auch in grenzen. die schlimmste blöße ist eh immer zuerst die vor sich selber.
C. Araxe - 2006.04.10, 11:08

Wie meinen Sie das mit dem von Natur aus krank sein?
Ich würde es ja eher anders herum sehen und den Kranheitszustand anzweifeln.

Ich halte das Aussichherausgehen, das Herauslassen, schon für sehr wichtig, nur sollte auch das Umfeld stimmen (siehe Kommentar weiter unten). Zweifelsohne spielt aber Selbstbesinnung in aller Ruhe ebenfalls keine unbedeutende Rolle.
Eskorte fragile - 2006.04.10, 13:18

ach, frau araxe, mit uns haben sich ja zwei gefunden *gg*

also: auch wenn es sich scheinbar widerspricht - der mensch ist sowohl von natur aus krank und man könnte sogar sagen, als auch von natur aus gesund und beides geht nebeneinander und wäre gleichermaßen richtig.

von natur aus krank ist er, weil heraus gefallen ist aus der einheit, hinein ist die vielheit der polarität. das unterscheiden ist krank - man könnte es mythologisch mit der verbotenen frucht vom baum der erkenntnis gleich setzten, die adam und eva aßen, oder auch, dass wir keine EIN-sicht haben.

auf rudolf steiners lehren diesbezüglich ausführlicher einzugehen, würde diesen rahmen sprengen, aber in der kürze sei erwähnt, dass es typische krankheitsbilder gibt, die einfach der menschlichen natur angehören. das sei hier kurz umrissen:

die anthroposophen gliedern "menschentypische krankheiten" in folgende katergorien:

1. Krankheiten aus dem Blut:

Krankheitstendenz des Blutes resultiert aus einer bestimmten konstitutionellen Neigung der menschlichen Natur „dass die Ich-Organisation und der astralische Leib zu stark in den Leib und Ätherleib versinken möchten.
Zu starkes Untertauchen des Geistig-seelischen in die Stoffwechselkräfte entfremdet jenes seiner eigentlichen Bestimmung. Es führt dann zu einer Herabsetzung des Bewusstseins, einer überwiegenden Schlaftendenz. Statt einer aufweckenden Bewusstseinsentfaltung wird Schläfrigkeit hervor gerufen.

(hier kommen wir schon zum punkte "aus die heilung ist von natur aus da, denn ein stoff, der das reguliert, ist das eisen, was ja im blut mit sich geführt wird)

2. Krankheiten aus der Nerven-Sinnes-Seite:

Auch vom Gegenpol = der Nerven-Sinnes-Seite, droht dem Menschen eine typische Krankheitsgefahr: Der Organismus vergiftet sich fortwährend durch seine Vorstellungstätigkeit.

Hier kompensiert die Milz = das Organ, das die unbewussten Willenszustände ausgleichend gegenüber dem Vorstellungselement durch seine Vorstellungstätigkeit

Bereits 1920 sagte Rudi, das die Milztätigkeit abnorm werden würde in der ganzen Kulturmenschheit und empfahl Kupfer-Therapie. Das ist eine Folgeerscheinung einseitiger intellektueller Betätigung, die eine epedemische Nervosität hervor ruft = typische Erkrankung der heutigen Zeit.

3. Krankheiten aus dem Astralleib:

In seinem Vortrag von 1908 entwirft Rudi eine ganz neue Krankheitslehre: Da wird ausgeführt, dass es ganz bestimmte Schäden der menschlichen Natur gibt, die zusammen hängen mit den Wesensgliedern des Menschen, mit der Beschaffenheit seines Ich, seines astralischen Leibes usw., insofern diese in bestimmten Organsystemen sich offenbaren.

es ist das eigentliche Heer der akut auftretenden Krankheiten. Ihnen liegen bestimmte Unfähigkeiten der Nervensystems zugrunde.

Im Nervengewebe finden fortwährend Abbau und Zerfallsvorgänge statt – ein Zurückdrängen der Lebenskräfte. Dieses Zurückdrängen ist Voraussetzung dafür, dass die Nervenorgane Vermittler von Bewusstseinsvorgängen werden können. Ihrem Wesen nach sind dies aber fortdauernd den Organismus durchsetzende Krankheitsprozesse. Indem diese Nervenorgane hauptsächlich der Tätigkeit es astralischen Leibes zugeordnet sind, haben wir hier einen ständigen Krankheitsträger im Menschen. Mit jeder Bewusstseinsentfaltung aktualisiert sich die Krankheitsmöglichkeit. Mit jedem Bewusstseinsakt rufen wir die Möglichkeit einer akuten Krankheit hervor

4. Krankheiten aus dem Ätherleib:

Eine weitere Gruppe von Krankheiten charakterisiert Rudi in der Weise, dass er ihren Ursprung in den ätherischen Leib verlegt. Das sind Krankheitsformen, welche sowohl chronischen als auch akuten Charakter annehmen und die mit den menschlichen Drüsenorganen zusammen hängen. Das sind Krankheiten, bei denen die Beziehung der Organe zu den Planetenkräften zu berücksichtigen ist, denn die Planetenkräfte sind es, die den Ätherleib der inneren Organe aufbauen. Hier treten also die Planetenmetalle – Gold für das Herz, Zinn für die Leber usw. in ihre therapeutischen Rechte als Konstitutionstherapie

5. Krankheiten aus Karma

Diese schließen alle Krankheiten mit ein, die als karmischer Anteil zu tragen sind. Hier wird als dem Typischen, was den Wesensgliedern an Krankheitsformen entstammt, das Schicksalsmäßig-Individuelle, die Färbung durch das Ich eingegliedert. Das Typische bleibt bestehen, wird aber modifiziert durch das Persönliche.

All das ist also schon deshalb da, nur weil wir Menschen sind und Menschen nun mal so beschaffen sind, dass sie aus unterschiedlichen Wesensteilen bestehen, die uns beeinflussen und umgekehrt.

Allerdings trägt jeder auch seine Heilung in sich, entweder als materiellen Stoff (wie Eisen im Blut) oder eben als nichtmateriellen Stoff. Darum könnte man AUCH behaupten, er wäre gleichzeitig gesund, aber nicht allein stehen lassen, denn von seiner Grundstruktur hat der Mensch ein Übergewicht zum Kranksein. Es liegt in seiner Natur.

Man könnte natürlich auch sagen: Der Mensch ist von Natur aus ebenso gesund, wie er erleuchtet ist. Er weiß es nur nicht :-)
C. Araxe - 2006.04.10, 14:32

Auf die einzelnen Krankheitstypen nach Steiner möchte ich jetzt nicht näher eingehen (harhar, die Zeit ist doch nicht unendlich. *g*), zumal ich diese Sichtweise nicht teile - ich muss allerdings zugeben, dass ich mich damit nur sehr flüchtig beschäftigt habe und dass das auch schon "Ewigkeiten" (*ggg*) her ist.

Ich würde den Menschen nicht von Natur aus als krank bezeichnen, weil das, was Sie da oben ("von natur aus krank ist er, weil heraus gefallen ist ...") schrieben für mich außerhalb der Natur ist. Krank durch die Entwickung zum Menschen und zunehmend im Zivilisationsprozess durch fortschreitende Abkehr von der Natur, trifft es für mich eher.

Und es ging mir auch mehr um die Zuweisung von Krankheit. Wie allgemeinhin (in der westlichen Kultur) Krankheit definiert wird. Ob das, was in diesem Zusammenhang als krank angesehen wird, wirklich krank ist.
jellopinki - 2006.04.10, 09:59

Wunden zeigen find ich gut.

Der offene Umgang mit seinen Verletzungen braucht Mut, kann aber sehr befreiend sein. Btw.: Ist Bloggen nicht irgendwie auch eine Form von Art Brut?

C. Araxe - 2006.04.10, 10:27

Ich finde es nicht prinzipiell gut, wenn immer und überall Verletzungen gezeigt werden. Besonders problematisch sehe ich das bei Talkshows, die bei den betreffenden Personen vielleicht kurzzeitig ein Gefühl von Befreiung freisetzen, es sich aber doch eher um öffentlichen Missbrauch handelt.

Bloggen bietet da noch den Schutz der Anonymität (zumindest glaubt man das). Aus meiner Sicht trotzdem nicht das passende Medium.
C. Araxe - 2006.04.10, 10:35

"Ein herzförmiges Stück Kopfhaut"
Ich glaube, mehr braucht man nicht.
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C. Araxe - 2017.11.14, 20:58

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