Montag, 20. Februar 2012

Voll normal daneben

Selbsteinschätzung ist ja kein so ganz leichtes Thema – Fremdeinschätzung ist wohl aber noch um einiges schwieriger. Oder umgekehrt. So genau weiß man das manchmal nicht. Bisher dachte ich allerdings, dass ich zumindest ungefähr weiß, wie ich auf andere wirke. Eine gewisse Andersartigkeit, die aber dennoch den Rahmen, was allgemein als „normal” empfunden wird, nicht auf voller Linie sprengt. Gut, wenn man mich etwas näher kennt, dann mögen sich einige Interessen auf den ersten Blick schon etwas absonderlich anhören. Aber wenn diese nicht einmal zur Sprache kommen, dann verwundert mich das schon etwas, was für Einschätzungen bei Menschen herauskommen können, die anscheinend noch nie mit jemanden zu tun hatten, der nicht so ganz massenkompatibel ist. Demzufolge muss man dann mindestens Drogen nehmen und kann ganz sicher keinen Beruf ausüben, weil man aus der Sicht vollkommener Normalität zu durchgeknallt ist. Die ohnehin offensichtlich kaum vorhandene Vorstellungskraft fällt, wenn diese Meinungen nicht zutreffen, in ein Meer voller Fragezeichen. Dass es eine so stark ausgebildete Unfähigkeit gibt, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, war mir bisher nicht bekannt. Und so kam es in den gegenwärtigen Zeiten, in denen es eigentlich nichts für mich zu lachen gibt, dann doch mal dazu, dass für Erheiterung gesorgt wurde.
Zia - 2012.02.22, 15:21

Was bedeutet schon vollkommene Normalität?
Wenn mir jemand allzu massenkompatibel (nettes Wort ) vorkommt werde ich regelmäßig mißtrauisch, erfahrungsgemäß oft zu Recht. Diese Reaktionen auf ungewöhnliche Interessen kenne ich allerdings auch. ;-)

C. Araxe - 2012.02.22, 17:16

Unter vollkommener Normalität verstehe ich hierbei, dass es ausschließlich Sicht- und Verhaltensweisen, Gedanken, Vorstellungen, Interessen etc. gibt, die dem entsprechen, was der breiten Masse entspricht. Das es so etwas gibt, erklärt sich von selbst, ansonsten gäbe es nicht das, was man als breite Maße, Mainstream usw. bezeichnen könnte. Sicher gibt es das oft nicht so ausschließlich, da und dort ist dann doch etwas anders. Mich erstaunte aber wie schon geschrieben, dieses komplette Ausblenden von allem anderen., also all das, was vielleicht nur ein paar Millimeter vom eigenen Weltbild abweichen mag.
Zia - 2012.02.25, 17:27

Soviel ich weiß gibt es so eine Normal-Definition tatsächlich. Das hat mir mal eine, was war sie nun gleich Sozialpädagogin oder Psychologin, erklärt. "Normal ist, was von einer großen Mehrheit der Bevölkerung eines Kulturkreises für normal gehalten wird." - sinngemäß.
"Normal" ist demnach sowieso kein objektiv fassbarer Begriff.
Wenn man den gedanken mal weiterverfolgt kann theoretisch alles Mögliche als Normal gelten, - wenn nur genügend Leute es normal finden. Das hat irgendwie was Beängstigendes
C. Araxe - 2012.02.29, 17:37

Ja, das wäre schon beängstigend, wenn man keine Chance mehr hätte, ein paar schöne Knochen zu finden oder finden zu lassen, weil jeder daran Interesse hat. ;·)
Geschichten-Manufaktur - 2012.02.22, 15:22

und konkret?
Übrigens gibt es verschiedene Wertesysteme für "normal". Und jedes ist natürlich das einzig gültige. Daher ist es schwierig, immer jederzeit normal zu sein. *grins*
Muna

C. Araxe - 2012.02.22, 17:25

Und konkret in Bezug auf was?
Sicher gibt es vornehmlich subjektive Sichtweisen, was normal ist. Allerdings gibt es schon eindeutigere Wertungen, was die Mehrheit betrifft. Die Schwierigkeit stellt sich indes für mich gar nicht, da ich nicht unbedingt darauf Wert lege. Auch wenn man mehr oder weniger anders ist, kann man sich so verhalten, dass dieses Anderssein akzeptiert wird, ohne dass man sich deswegen verbiegen muss.
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