Wohlmeinende Gabe
Ich glaube, nun ist eindeutig belegt, dass a) der Untermieter immer noch lebt und dass b) er auch an mein Wohlbefinden denkt.
Ein bestialischer Serienkiller missbraucht und ermordet kleine Mädchen. Als ein Verdächtiger von der Polizei entlassen wird, schnappt ihn sich der Vater eines Opfers, um zu erfahren, wo der Kopf seiner Tochter abgeblieben ist. Aber auch ein Ex-Polizist begibt sich auf die Jagd. Den beiden scheint es vollkommen egal zu sein, ob es sich wirklich um den Täter handelt – nur die blinde Rache zählt. Um einen reinen Rache-Thriller handelt es sich hierbei dennoch nicht, auch wenn das vorab einer der anwesenden Regisseure erzählte („A Hebrew revenge thriller is shown in Germany!”). Vielmehr handelt es sich um eine Mischung, aus Spannung, viel(!) Brutalität, schwarzen Humor, Politik und Psychologie. Das ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber professionell umgesetzt und packend inszeniert.
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Nicht so ganz das klassische Roadmovie: zwei alte Freunde sind im Death Valley unterwegs und haben eine Autopanne. Die Freundschaft hat im Laufe der Jahre ziemlich gelitten – der eine widmet sein Leben der Karriere, der andere seinen Träumen – und so wurde der Stopp von Carter fingiert, um mit Mitchell endlich mal in Ruhe reden zu können und so ihrer Freundschaft eine neue Chance zu geben. Der Plan geht allerdings gewaltig nach hinten los. Dem Schlagabtausch durch Worte folgt bald einer durch Fäuste … Eigentlich ein simpler Plot, aber nicht so eindimensional verlaufend, wie man vielleicht vermuten könnte. Die größtenteils spannende Inszenierung und gute charakterliche Darstellung machen aus dieser Zwei-Mann-Show einen überzeugenden Film, auch wenn er mich nicht restlos begeistert hat.
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Salem und Hexen – ein viel beackerter Stoff. Und so gibt die Story auch nicht viel her. Die Radiomoderatorin Heidi bekommt anonym eine Platte zugesendet und das Unheil beginnt: der Hexenkult aus vergangener Zeit wird zu neuem Leben erweckt. Aber hierbei handelt es sich um einen Film von Rob Zombie, wobei man zwar auch die schlechte schauspielerische Leistung seiner Frau in der Hauptrolle ertragen muss, aber auch wiederum mit einer opulenten und exzentrischen Bilderwelt belohnt wird, die musikalisch bestens begleitet wird. Diesmal wird aber kein Wert auf Brutalität gelegt, sondern auf schaurige Stimmung, bei der sich niemand fürchten muss. Sein Gehirn sollte man vielleicht besser an der Kinokasse abgeben, dafür aber reichlich Augen mitnehmen, denn Kameraführung und Setting ergeben wieder reichlich experimentierfreudiges Augenfutter.
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Ja, ja, ja. Ich war ja vorgewarnt, dass es sich bei dieser Giallo-Hommage nicht um so ein Filmkunstwerk wie „Amer” handelt. Aber ich hatte mir doch so etwas wie eine stimmungsvolle Atmosphäre erhofft, wo es dann eben auch mal etwas blutiger zugeht, auch wenn das Ganze keinen Tiefgang hat. Es ging dann auch gleich am Anfang recht heftig los und da und dort hatten die SFX-Leute auch des Weiteren etwas zu tun, was den Film aber nicht besser machte. Trash as Trash can – um es kurz zusammenzufassen. Es lohnt sich also nicht mal, auch nur ein Auge darauf zu werfen.
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Endzeitfilme gibt es eigentlich zur Genüge, aber dass es diesmal Barcelona betrifft, war schon verlockend für mich. Für meine Begleitung nicht. Die Befürchtung, dass ich bei allem Bekannten, das sich nun im Verfall zeigt, mich einer Äußerung nicht verwehren kann, war dann doch zu groß. Der größte Teil spielte allerdings inhäusig oder überall dort, wo nicht draußen ist. Denn dort draußen lauerten auf jeden tödliche Panikattacken. Das gab’s zwar wohl noch nicht, interessanter waren an dem Film aber auch nicht der archaische Überlebenskampf oder anderseits doch vorhandene Solidarität, sondern die Zeit bevor das alles losging. Die beinhaltet nämlich sehr viel Gesellschaftskritik an der heutigen Zeit und da ist Spanien ein treffendes Beispiel, was die Auswirkungen des Turbokapitalismus betrifft. Das alles wird professionell aufbereitet, was Darstellung und Optik betrifft. Und vor allem das Ende ist so kitschig, dass Hollywood nicht nur mal kurz vorbeigeschaut zu haben scheint. Auch wenn das alles größtenteils sehr mainstreamig ist, kann man sich das durchaus ansehen.
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Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit – so eine Ansage ist ja mittlerweile auch schon inflationär, aber in diesem Fall ziemlich irreführend. Bei diesem Drama um zwei Jugendliche, mag man die ganze Zeit nicht glauben, dass es um Tatsachen geht – zu unrealistisch wirkt die Geschichte. Aber da hierbei ein Geheimdienst seine Finger im Spiel zu haben scheint, kommen dann doch wieder Zweifel auf. Spätestens heutzutage ist da viel mehr vorstellbar, als man allgemein hin glaubt. Aber gerade wenn man da so seine früheren persönlichen Erfahrungen hat, stellt man in diesem Zusammenhang einiges in Frage. Der Film braucht etwas, um in die Gänge zu kommen; im Ganzen gesehen ist er aber absolut stimmig und wie in vielen britischen Filmen überzeugen vor allem die Jungdarsteller.
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Der Vorgänger „Rubber” konnte mich nicht ins Kino locken. Die Idee (ein mordender Autoreifen) fand ich zwar sehr originell, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass das einen ganzen Film trägt. Nun werde ich mir den vielleicht doch noch mal ansehen, denn „Wrong” hat mich doch sehr positiv überrascht. Um die Story – Dolphs Hund Paul wurde entführt – geht es eigentlich gar nicht, sondern um diesen leicht verschobenen Blick auf die Realität, der sich vor allem in sehr vielen Details zeigt wie z. B. die Weckeranzeige, die von 7.59 Uhr auf 7.60 Uhr springt. Überall lauern absurde Situationen oder es wird über Nonsens diskutiert, wie beispielsweise über die Bedeutung bei der Motivwahl eines Logos (so etwas ist indes sehr realistisch). Es geht allerdings nicht darum, eine Absurdität mit der nächsten zu übertrumpfen und so muss man bei all diesen Seltsamkeiten auch an Buñuel denken. Und es ist dann eher ein feines Lächeln, das auch noch nach dem Film im Gesicht verbleibt, und keine blauen Flecken von Schenkelklopfern. Für Liebhaber des Surrealen, die einen amüsanten und bewegenden Film sehen möchten, bestens geeignet.
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Die Leiche der durchtriebenen Firmenchefin Mayka ist unter mysteriösen Umständen aus der Pathologie verschwunden. Nicht minder rätselhaft scheint ihre Todesursache. Ihr jüngerer Ehemann wirkt äußerst verdächtig, aber war er es wirklich oder ist er nur die Figur in einem Spiel? Und wenn ja, von wem? Rätsel über Rätsel tun sich auf und man wird immer wieder auf neue Fährten gelockt, die sich als falsch herausstellen. Bis man am Ende eine vollkommen unerwartete Auflösung präsentiert bekommt.
Dies ist ein äußerst packender Thriller, der atmosphärisch dicht und clever inszeniert mehr als sehenswert ist.
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Wie weit würde man für Geld gehen? Sehr weit, wie sich beim jungen Familienvater Craig mit Geldsorgen in nur einer Nacht herausstellen wird. Gerade arbeitslos geworden trifft er in einer Kneipe zufällig einen alten Kumpel wieder, der auch nicht auf der Gewinnerseite steht. Fatal wird diese Nacht aber erst als sie dort ein reiches Pärchen kennenlernen, das Spaß daran findet, dass die beiden für Geld immer wieder neuen Mutproben ausgesetzt werden. Anfangs sind das noch harmlose Scherze und der Geldeinsatz gering, beides steigert sich jedoch mit der Zeit …
Fieser, kleiner Thriller mit viel fiesem Humor, der zu unterhalten weiß, wenn auch oftmals nicht unbedingt so magenfreundlich.
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Dass Vincent Lannoo ein besonderes Talent für Komödien hat, die die Lachmuskeln sehr strapazieren, hat er schon mit seinem „Vampires” bewiesen. Nun legt er mit einer weiteren Komödie nach, die sich mit Kindesmissbrauch in Kirchenkreisen befasst. Unmöglich? Nein, im Gegenteil! Es mag schwer vorstellbar sein, aber genau genommen ist dies der richtige Weg, denn besser kann man gar nicht die Bigotterie von so einigen Kirchenvertretern darstellen. Dass das Lachen oftmals im Halse stecken bleibt, weil so viel bittere Wahrheit darin steckt, ist durchaus gewollt.
Die Familienidylle und der Glauben von Elisabeth zerbricht zusehends, je mehr sie entdeckt von wie viel Scheinheiligkeit sie umgeben ist, die zudem auch noch äußerst zynisch daher kommt. Da hilft nur eines: den ganzen Drecksladen gründlich aufräumen. Und so beginnt ihr Rachefeldzug.
Eine bitterböse Kritik, die mehr als entlarvend ist und ja, auch noch lustig. Der nach der Vorstellung anwesende Regisseur ist mindestens genauso unterhaltsam.
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Es beginnt mit dem Tod des Vaters, dass das Leben des damals 6-jährigen Ian ins Wanken gerät. Spätestens als er mit 16 Jahren die Leiche eines sich selbst erhängten Mädchen findet, fühlt er sich von den Toten mehr als von den Lebenden angezogen. Auch für sich selbst hält er den Tod für erstrebenswert. Seit auch seine Mutter gestorben ist, verlässt er kaum noch das Haus und hält den Kontakt zu anderen Menschen nur durch Blicke aus der Ferne mittels seines Fernrohres oder über das Internet. Da hat er immerhin über 5000 Freunde. Und er findet auch Menschen, für die ein Selbstmord die einzige Lösung darstellt. Bei einem gemeinsam geplanten Suizid zieht er dann doch das Leben vor, um es fortan mit Leichen zu teilen. So bleibt es allerdings nicht. Was als abgefahrene Nekrophilie-Story hätte umgesetzt werden können, ergibt hier ein ruhiges Melodram, das seinem Hauptdarsteller viel Raum und Zeit lässt, manchmal aber auch eine gewisse Unnahbarkeit aufkommen lässt. Ergänzt wird dieser stille Film mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen.
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Es ist nicht so, dass der schüchterne Pol keine Freunde hätte, aber am liebsten ist er doch allein mit seinem besten Freund Deerhunter, einem Teddybären. Der ist nicht nur zum Kuscheln da, sondern ist auch ein guter Schlagzeuger und kompetenter Gesprächspartner in allen Bereichen. Pol ist mit seinen 17 Jahren in einem Alter, in dem er von der Kindheit Abschied nehmen muss, auch wenn er nicht so recht weiß, was und wen er will. Die Sympathie zu seiner attraktiven Mitschülerin Laia beruht zwar auf Gegenseitigkeit, aber da ist auch noch der neue Mitschüler Ikaria, einem Einzelgänger umgeben von dunklen Geheimnissen. Diese feine, kleine Indie-Perle handelt nicht nur glaubwürdig und gut dargestellt von der Adoleszenz eines Teenagers voll poetischer Schönheit, sondern mischt auch eine Menge surreal-mystischer Elemente unter, so dass Realität und Phantasie verschmelzen. Sicher muss man dabei sofort an „Donnie Darko” denken, wobei „Animals” auf den ersten Blick weniger bedrohlich wirkt. Was aber nicht heißt, dass es ein Happy End gibt.
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