Die lieben Kollegen, Teil 8
„Nö.”
„Heute Nachmittag?”
„Nö.”
„Morgen?”
„Nö.”
„Nächste Woche?”
„Hm, wie wäre es im nächsten Jahr?”
Im Chinesischen gibt es das Wort 过劳死 (Karōshi): Tod durch Überarbeitung. Im Deutschen gibt es dafür noch kein Wort.
„Ex Drummer”, der erste Film von Koen Mortier war sehr rau und ungeschliffen. In seinem neuen Film überlebt im Gegensatz dazu nur die Bildergewalt. Das Visuelle tritt sogar noch mehr in den Vordergrund. Dazu kommt eine Komplexität, deren Anspruch nicht so oft zu finden ist.
Ein Wachmann wird von seinem Aufstehen bis zu seinem Job in einem Einkaufszentrum begleitet. Dann passiert es – ein Selbstmordattentäter jagt alles in die Luft und damit auch alles, was man eine geradlinige Handlung nennen kann. Gleich der Explosion zersplittert der Film in unendliche Perspektiven. Die Opfer wie auch der Täter kommen zur Sprache. Immer und immer wieder wird versucht, das Schreckliche abzuwenden und auch zu verstehen. Trotz aller Verzweiflung bleibt nur Vergeblichkeit. Die experimentelle Umsetzung ist vielleicht sicher nicht jedermanns Geschmack, aber das unterstreicht nur die hohe Kunst dieses Filmes.
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Und weiter geht es mit dem mysteriösen Anwesen der Valdemars. Der Blick in die Vergangenheit ist diesmal nicht so lange, wodurch leider die viktorianische Atmosphäre in den Hintergrund tritt und nur die allgemeine Gruselkulisse bleibt. Es findet sich aber genug Zeit, um Lovecraft persönlich und das Necronomicon auftauchen zu lassen, wobei es natürlich einen Zusammenhang gibt. In der Gegenwart zeigt sich indes mit aller Macht, dass der Cthulhu-Kult lebt und die „Großen Alten” nichts von ihren Schrecken verloren haben. Das so schöne Schauergefühl des ersten Teils weicht nun mehr Action nebst ein paar Unstimmigkeiten. (Teilweise hat man das Gefühl, dass da einiges weggeschnitten wurde.) Somit ist der erste Teil weitaus stärker, aber man muss natürlich wissen, wie es weiter geht.
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Als Teenager ist das Leben nicht einfach in Zeiten des Internets. Mal ist man der Held, dann wieder wird man von allen gemobbt – und jeder erfährt es sofort. Hinzu kommt das oft grundsätzliche Problem, dass einen keiner versteht. Beim Hauptprotagonisten meint man erst ein verwöhntes, arrogantes Kiddie vor sich zu haben, dann wird nach und nach ersichtlich, wie einsam er ist, ohne richtige Freunde und Eltern, die nie Zeit haben. Kein Wunder also, wie sehr er den Abgründen von virtuellen Welten verfällt. Mitunter dachte ich, im falschen Film zu sitzen. Zu sehr war das alles auf Teenies (speziell Emos) zugeschnitten, auch wenn es noch so nachvollziehbar war. Das erschütternde Ende ist dann aber wieder mehr als überzeugend, ebenso wie die talentierte Leistung des Hauptdarstellers, so dass im Nachhinein der Eindruck von einem ernsthaften Portrait eines Jugendlichen entsteht, auch wenn die Wirkung während des Films teilweise öfters ins Klischeehafte abrutscht.
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Man stelle sich ein verlassenes, viktorianisches Anwesen vor, in dem Menschen spurlos verschwinden. Und das in heutiger Zeit. Aber in diesem Haus passieren nicht nur in der Gegenwart mysteriöse Dinge – seine Vergangenheit birgt noch so einiges mehr. So trieb hier Aleister Crowley höchstpersönlich sein Unwesen (sehr schön diabolisch dargestellt) und auch noch weitere altbekannte Prominente geben sich die Ehre wie z. B. Bram Stoker oder Lizzie Borden. Die perfekte Atmosphäre dieses Films erzeugt einfach wohlige Schauer, auch wenn man die Handlung manchmal etwas hätte straffen können. Eine wunderbare Hommage an klassische Gruselfilme und vor allem an die Welt von H. P. Lovecraft. Und das war erst der erste Teil, morgen geht’s weiter mit der Fortsetzung, auf die ich nun schon sehr gespannt bin.
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Was passiert, wenn einem typischen Loser, dessen Frau ihn für einen kriminellen Typen verlassen hat, Gottes Finger im Gehirn rumtatscht? Was wohl ... er wird ein Superheld! Zu Recherchezwecken wird ein Comicladen aufgesucht und schnell wurde dann auch ein Kostüm zusammengeflickt. „Crimson Bolt” wurde geboren! Von nun an sollen alle Verbrecher zittern! Etwas entscheidendes hat der Superheld allerdings vergessen – eine Wunderwaffe. Sehr unpraktisch wie er bei seinem ersten Einsatz feststellt. Dieses Problem wird aber bald beseitigt: mit einer Rohrzange! Nun lernen selbst Vordrängler in Kinoschlangen das Fürchten. (Wenn das einige beim Andrang zu diesem Film vorher gewusst hätten …) Etwas unfreiwillig bekommt er Unterstützung von der Verkäuferin aus dem Comicladen – „Boltie” steht ihm von nun an mehr oder vielmals oft weniger hilfreich zur Seite. Wie und ob er seine Frau retten kann, beschreibe ich lieber nicht, um nicht zu viel zu verraten. Der Superheld wird übrigens von Rainn Wilson gespielt, der den Vater im gerade zuvor gesehenen „Hesher” spielt. Diese mitunter äußerst brutale Komödie wird sicher der Publikumsliebling des diesjährigen Fantasy Filmfestes werden. Ebenso wie der anwesende Regisseur beim Publikum Sympathiepunkte sammelte.
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Der 13-Jährige TJ hat es nicht leicht in seinem Leben, erst vor kurzem hat er seine Mutter bei einem Autounfall verloren, seitdem wohnt er mit seinem depressiven Vater zusammen bei seiner alten Großmutter. Bis Hesher auftaucht – ein cooler Außenseiter, dunkler Heavy-Metal-Engel mit Arschlochattitüde, dem man dennoch Sympathie abgewinnen kann – und bei ihnen einfach einzieht. Von da an ist nichts mehr so wie es war … anarchistisches Chaos reißt die Familie aus ihrer lethargischen Trauer. Der Film schwankt zwischen sensiblen Drama (TJs Rolle ist ganz, ganz großartig gespielt!) und dreckiger Komödie, was durchaus zusammenpassen kann. Sehr gutes Independent-Kino!
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Neufrankreich im 17. Jahrhundert: Nur knapp entgeht Joseph Côté dem Tod durch Erhängen. Auf seiner Flucht nimmt er die Identität eines Jesuiten an, was für den Ganoven und professionellen Frauenhelden, der kein Wort Latein beherrscht, schon eine Herausforderung ist. Dass dann auch noch Werwölfe dazu kommen, macht seine Lage nicht gerade leichter, auch wenn er eine nette Miniarmbrust zum Abschießen von Kruzifixen „geerbt” hat.
Der Plot ist nicht besonders originell und die Werwölfe wird man sicher auch eher im Plüschtierregal der Spielzeugabteilung wiederfinden, durch viel Charme und Witz weiß diese Abenteuer-Komödie einen aber auf sehr nette Weise zu unterhalten.
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„Young Adam” von David Mackenzie und ebenfalls mit Ewan McGregor in der Hauptrolle war der erste Filmbeitrag im Gruselkabinett, der vor allem deshalb erfolgte, weil dieser Film sehr eindrucksvoll ist. Grund genug also, sich den neusten Film dieses Regisseurs anzusehen, dessen „Hallam Foe” ebenfalls sehr ansehenswert ist. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Liebe in Zeiten einer Epidemie. Was sich ganz böse kitschig anhört, ist es aber ganz und gar nicht. Die Krankheit, die sich hier ausbreitet, beraubt den Menschen nach und nach alle Sinne, wobei es mit dem Geruchssinn beginnt. Nach jeder neuen Steigerung versuchen die meisten Menschen wieder zu einem Alltag zurückzufinden, nachdem sich die Panik gelegt hat, auch wenn die Welt langsam untergeht. Und mittendrin die hin und her schwankende Liebe der beiden hervorragenden Hauptdarsteller. Das alles ist so gut dargestellt, dass es nur eine Kühltruhe nicht berühren kann. Absolut empfehlenswert!
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Und noch ein Endzeitfilm, der aber eher an „The Road” erinnert, allerdings ohne dessen überflüssige Off-Kommentare, dafür aber ebenso mit einem „Happy End” ausgestattet und ansonsten noch banaler ist. Diesmal ist es sehr heiß, die Sonnenstrahlen haben fast alles Leben vernichtet, Wasser und Nahrung sind knapp.
Wenn man berücksichtigt, dass dies ein deutscher Debütfilm ist und der sehr junge Regisseur einfach nur einen Thriller machen wollte, der nur von der Spannung lebt, dann könnte man schon ein paar Pluspunkte vergeben. Die hochkarätige Besetzung und die visuelle Umsetzung trägt auch dazu bei. Mir ist das allerdings insgesamt zu anspruchslos und zu unoriginell. Wenn man nicht sehr helle ist oder seinen Kopf nicht mit ins Kino nimmt, wird man schon Unterhaltung finden.
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Interview Tim Fehlbaum (Mit Publikum am 19.08.2011)
Beziehungen können manchmal ziemlich kompliziert sein. Erst recht, wenn diese aus einer Entführungssituation heraus entstanden ist – Stichwort Stockholm-Syndrom. Das Wechselspiel zwischen Entführer und Entführter wird als etwas spröde wirkendes klassisches Erzählkino inszeniert, mitunter fast kammerspielartig. Die Nähe zwischen den beiden Hauptdarstellern entwickelt sich äußerst ambivalent, wobei viel Wert auf die charakterliche Darstellung gelegt wird. Die ausgeprägten Persönlichkeiten werden psychologisch durchdacht einfühlsam in Szene gesetzt, wie man es vielfach aus dem französischen Kino kennt. Etwas zu betulich mitunter, dennoch sehenswert.
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Etwas habe ich es ja schon vorher geahnt, aber „Dorothy Mills” von derselben Regisseurin habe ich in recht guter Erinnerung behalten und die Zutaten des Anfangs dieses Films klangen doch sehr verführerisch phantasiereich: eine Familie, die über besondere Eigenschaften verfügt. Und zwar wurde der Großvater immer blind, wenn er an Sex dachte. Beim Vater fiel der Strom aus, wenn er Angst hatte (sehr praktisch beim Zahnarzt). Und wenn der Sohn blutet, stirbt alles in seiner Umgebung, was aber erst recht spät festgestellt wird. Daraufhin flieht er in den Wald und lebt darin einsam. Bis er mit einer krebskranken jungen Frau zusammentrifft und der Film in seiner Schnulzenhaftigkeit kaum noch zu ertragen ist. Wenn man nicht gerade zuckersüße, kitschige Romanzen mag, sollte man hinterher unbedingt die Augen gründlichst säubern. Gibt sonst sicher ganz schlimme Augenkarries.
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Bei diesem Film ist mal wieder der Hinweis mit den wahren Begebenheiten angebracht. Serienmörder, die Jagd auf Pädophile machen, finden sicher vielfach Anklang. Die Motivation zu töten, ist aber dann doch eher sadistischen Neigungen zuzuschreiben, so dass die Opfer mitunter recht wahllos ausgesucht werden. Filmisch umgesetzt wird das alles in fast real erscheinenden, nüchternen Bildern, die die Tristesse und Gewalt einer heruntergekommenen Vorortsiedlung sehr gut einfangen. Die darstellerische Leistung ist durchaus gelungen und authentisch wirkend – der charismatische Haupttäter, hinter dessen Freundlichkeit gnadenlose Brutalität lauert und sein junger Gehilfe, der sich naiv von ihm manipulieren lässt. Trotzdem schafft es der Film nicht, vollkommen zu überzeugen. Durch den dokumentarhaften Stil entsteht vielfach nur eine oberflächliche Nähe zu allen Personen, wodurch der Zuschauer auf Distanz gehalten wird und nur mühsam einen richtigen Zugang zu diesem Film findet. Zum Soundtrack jedoch sofort und dies auch auf längere Zeit.
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Der Strom fällt aus, Autos bleiben stehen, Handys funktionieren nicht mehr – keiner weiß, was passiert ist, das zu diesem Weltuntergangsszenario geführt hat. Bis auf diesen mysteriösen Unbekannten, der alles zu wissen scheint. Kurz bevor es passierte, stieg er in abgelegener Gegend zu einer jungen, schwangeren Frau ins Taxi. Von ihr und dem Fahrer weiß er alles und eben auch, dass die Apokalypse bevorsteht. Von Engeln mit scharfen Zähnen und Krallen, die herabsteigen werden, nachdem ein Sonnenwind alles Licht ausgelöscht hat, erzählt er und nennt zwischendurch die Zeit, die noch bleibt. Die junge Frau erwacht allein im Taxi, nachdem es passiert ist. Auf ihrer Suche nach Erlösung irrt sie einsam und verloren durch Niemandsland. Die Menschen, denen sie begegnet, sind keine Hilfe für sie – die kommt scheinbar allein vom Fremden, der sich ab und zu bei ihr meldet. Indes nimmt die Kälte und Dunkelheit zu – nicht nur auf die Landschaft bezogen. Der Verweis auf Michael Hanekes „Wolfszeit" ist schon sehr treffend. Nur ist hierbei alles noch reduzierter. Schleichend baut sich eine bedrohliche Atmosphäre auf und die Handlung wird hinter den Metaphern fast bedeutungslos. Ein Endzeitfilm mit Tiefgang und sehr empfehlenswert, wenn man nicht nur leicht zugängliche Unterhaltung sucht.
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