Kopfsache




Hier geht es mal wieder um einen Auftragsmörder, der seinen Job nicht so ganz nach Plan hinter sich bringen kann. Und wie schon bei „Killer Joe” lassen die Coen-Brüder deutlich grüßen. Aber auch Hitchcock kann man durchaus als Patenonkel heranziehen und ebenfalls Polanski blinzelt da und dort hindurch. Der Titel ist Programm – die Spannung köchelt kriechend langsam auf kleiner Flamme dahin, ohne dass sie dadurch verloren gehen würde, unterstützt durch einen effektiv eingesetzten Sound und gekonnt angewendete Kameraeinstellungen. Nur die Darsteller bleiben ziemlich blass. Einzig der schmierige Barbesitzer und Auftraggeber des Mordes Slim Walding darf etwas Profil zeigen. Die Geschichte an sich ist auch sehr mager, so dass dieser Noir-Thriller insgesamt leider nicht das geworden ist, was er womöglich hätte sein können.
Official Site
Trailer
Tomás Marino, ein eher wenig erfolgreicher Schriftsteller (sein erster Roman mit 500 Seiten, der von zwei Typen handelt, die Jägermeister trinken, kam jedenfalls nicht so an) kehrt in sein abgelegenes Heimatdorf in Galizien zurück. Da weiß er noch nichts von dem 100 Jahre alten Fluch, den eine seiner Vorfahrinnen provoziert hat und aus dem ein Werwolf hervorging. Und auch nicht, dass es sein Blut ist, dass genau zu diesem Zeitpunkt diesen Fluch wieder aufheben kann. Dafür wissen das die Dorfbewohner um so besser … Wer bei diesem Film einen Gruselschocker erwartet, hat definitiv die falsche Wahl getroffen. Wer bei (Wer)Wölfen allerdings ans Heulen denkt, ist da schon eher auf der richtigen Fährte, denn in diesem Film wurden jede Menge Lachtränen geheult. Sicher musste hinterher erst einmal der Boden des Kinosaals trocken gewischt werden. Eine spritzige (ja, auch etwas Blut) Handlung, Dialoge voller Wortwitz und absurdeste Slapstickszenen sorgen garantiert für beste Unterhaltung.
Official Site
Trailer
In Großbritannien ist es nach dem Ersten Weltkrieg eine gute Zeit für Geister. Vor allem aber auch eine gute Zeit für Scharlatane, die mit allen Tricks arbeiten, um vermeintliche Geister herauf zu beschwören. All die Tricks enttarnt Florence Cathcart mit Leichtigkeit Dank Logik und Wissenschaft. Nur das abgelegene Knabeninternat, in dem es spukt, ist kein so einfacher Fall. In bester klassischer Horror-Manier beschwört dieser Film sehr gekonnt eine dichte Atmosphäre voll wohligem Schauer. Zur Gänsehaut reichte es allerdings bei mir nicht ganz. Mag sein, dass das daran gelegen hat, dass neben mir andauernd zusammengezuckt wurde. Das Ende ist für meinen Geschmack auch etwas zu sehr konstruiert, aber die guten Darsteller und vor allem die bestens passende Ausstattung machen daraus dennoch einen sehr gut ansehbaren Gruselfilm.
Official Site
Trailer
Heutzutage wurde eigentlich schon auf fast alle Randgruppen aufmerksam gemacht, die diskriminiert werden. Nur Zombies haben noch keine Lobby gefunden, die sie unterstützt. Dabei haben es Zombies alles andere als leicht, gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Nicht minder schwierig ist es für die ebenfalls ausgegrenzten und angefeindeten Angehörigen, die sich oft wortwörtlich aufopfern. Ein Reporterteam dokumentiert eine solche Familie, die sich liebevoll um ihren infizierten Sohn kümmert, der sicherheitshalber aber doch besser Zwangsjacke und Maulkorb verpasst bekommt. So weit die sehr nette Idee zu diesem Film. Nur hapert es leider ziemlich mit der Umsetzung. Die Doku besteht zu gefühlten 90 % aus Closeups von Interviewten. Und für die Zombies hätte man nicht unbedingt zu den Schminksets aus der Grabbelkiste greifen müssen. Sehr schade um dieses vermurkste Potenzial.
Official Site
Trailer
Eiskalt geht der Auftragsmörder Joe Cooper vor, auch wenn dies nur ein Nebenjob für ihn ist, denn hauptberuflich ist er Detektive bei der Polizei. Eine durch und durch sowohl verkommene als auch verkorkste Familie engagiert ihn, um die Mutter wegen einer Lebensversicherung ermorden zu lassen, da der Sohn als Kleindealer Schulden bei den Drogenbossen hat, weil eben jene Mutter sein Koks vertickt hat. Alle unterstützen den Plan von Sohn Chris. Der ständig bargeldlose und trinkende Vater, der soundso nichts mehr mit seiner Ex-Frau zu tun hat. Die Stiefmutter, die sich für ihre Nacktheit beim Empfang des Stiefsohns damit entschuldigt, dass sie ja nicht gewusst hätte, dass er vor der Tür steht. Und auch die unschuldig wirkende kleine Tochter, die größtenteils aber einfach nur hoffnungslos naiv bis debil ist. Der Plan geht allerdings gewaltig nach hinten los. So böse wie die Rolle des Hauptdarstellers ist auch der ganze Film in seiner Brutalität und auch in dem ebenfalls nicht zu knapp vorhandenen Humor, auch wenn dieser manchmal im Halse stecken bleibt. Es ist eine Bösartigkeit von der faszinierenden Art, gerade auch weil sie so brillant gespielt wird. Und spannend ist dieser bitterböse und böse komische Thriller zudem auch durchweg. Ein böses Must-See.
Official Site
Trailer
Bei den Zutaten Selbstjustiz sowie älterer Verlierertyp und jüngerer Fan zur Unterstützung in einer brutalen und schwarzhumorigen Komödie musste ich unweigerlich an „Super„ denken. Aber in dieser bitterbösen Gesellschafts- und vor allem Mediensatire wird auf Superheldenkostüme verzichtet, dafür um so mehr auf all das mit Worten und meist viel mehr mit Waffen gezielt, was es auch hierzulande zur Genüge gibt: schwachsinnige Castings- und Reality-Shows, Konsumwahn und alles andere, was die westliche Zivilisation an Dummheit ansonsten hervorgebracht hat. Sicher hätte die Kritik noch tiefer gehen können, aber dafür liegt der Focus zu sehr auf knallharter Unterhaltung. Und die hat man auf jeden Fall, vor allem auch durch die sehr gut umgesetzte Darstellung der Hauptfigur. Ich könnte mir auch sehr gut ein deutsches Remake vorstellen, bei dem sich dann Dieter Bohlen oder Heidi Kulm vorgeknöpft werden.
Official Site
Trailer
Wenn ein Film für die Fresh-Blood-Reihe des Fantasy Filmfestes geeignet ist, dann dieser. Denn sehr blutig geht es hierbei zu. Allerdings stilvoll künstlerisch umgesetzt, auch wenn das dadurch nicht magenfreundlicher sein mag. Bei so einer lieblosen Mutter wie sie die 18-jährige Pauline hat, sollte man sich eigentlich nicht darüber wundern, wie gestört die Hauptdarstellerin ist. Zugegebenermaßen wird nicht jedes Problemkind solche blutigen Traumphantasien haben. Parallel zu den Leiden von Pauline spitzt sich auch die Handlung zu. Nur leider wird der Schluss dieses Films der wenn auch soziopathischen, so doch vor allem sehr intelligenten Hauptrolle absolut nicht gerecht. Trotzdem war dies ein richtiger Arthouse-Horror-Leckerbissen, wobei neben der sehr guten darstellerischen Leistung natürlich vor allem die äußerst blutige und bizarre Phantasiewelt den größten Eindruck hinterlässt. Eine sehr gute Mischung zwischen einfühlsamen Psychodrama und surrealem Horror.
Official Site
Trailer
Die Familie Tuvache führt seit Generationen einen Laden, in dem alles nur denkbare erworben werden kann, um einen Selbstmord zu begehen – es ist todsicher für jeden etwas dabei. Das Geschäft läuft allerdings zunehmend schlechter, als der Nachwuchs Alan zur Welt kommt. Dieser Sohn erweist sich nämlich als das bunte Schaf der Familie. Und mit diesem dauergrinsenden Racker verliert der Film leider auch zusehends seinen makaberen Humor. Sicher – andauernd missmutige Menschen möchte man nicht unbedingt um sich haben. Aber andauernd lächelnde und fröhliche Menschen sind da eher noch schlimmer. Richtig viel Spaß bereitet dieser Film also nur in der ersten Hälfte – wenn nicht gerade gesungen wird (und es wird viel gesungen). Danach wird es so klebrig süß, dass einem schlecht werden könnte. Aber es soll ja Menschen geben, denen es nicht süß genug sein kann. Es war zwar von vornherein vorhersehbar, dass sich das Tiefschwarze aufhellen wird, aber dass das nun gleich so quietschbunt werden musste? Und auf 3D hätte man bei einem zweidimensional gezeichneten Animationsfilm auch verzichten können.
Trailer
Die Familie Hughes hat es nach dem Unfalltod ihrer Tochter nicht leicht. Aber sie haben ein sehr schönes Landhaus in den Bergen. Was sie auch haben, sind aufdringliche Nachbarn – die Sitkowskis. Und nachdem sich diese fast selbst zum Abendessen eingeladen haben, wird man sie auch nicht mehr so schnell los. Auch wenn das Home-Invasion-Thema etwas ausgeweitet wird – es geht nämlich nicht nur um Besitz, Leib und Leben, sondern um die komplette Identität – und dies einen soliden Thriller ergibt, so ist das zwar ansehenswert, aber gesehen haben muss man diesen Film nicht.
Trailer
Liebe und Wahn – wie dicht beieinander beide doch liegen. Und manchmal sind sie eins. Man könnte meinen, dass Liebe auch einfach zu stark sein kann, als dass man sie ertragen könnte. Dies sagt jedenfalls Maxime, die Ehefrau des Hauptdarstellers Bruno: „Du liebst so stark, dass du das zerstören musst, was du liebst”. Diese dunkle Seite der Liebe (die Schwarze Romantik lässt grüßen) zeigt sich in diesem Film in all ihren Facetten, auch wenn manches nur angedeutet wird. Verschlungen und verschlungen werden. Bis auf’s Messer, bis auf’s Blut. Brennende Leidenschaft, die bis zum Äußersten geht. Die Intensität der Umsetzung dieses Themas ist vielfach sehr beeindruckend. Sei es nun der psychologisch tief gehende Anspruch in Dialog und Darstellung (absolut großartige Leistung von Nicolas Bor) oder die zwischen dem meist allgegenwärtigem irreführenden warmen Licht auftauchenden Szenen, die verstörend als auch faszinierend in ihrer Ästhetik sind. Das alles geht in seiner Vielschichtigkeit und Deutungsmöglichkeit jedenfalls weit über ein Eifersuchts-Drama hinaus und verlangt – genauso obsessiv wie dieser Film ist – danach, sich noch ausführlich im Nachhinein damit zu beschäftigen und am besten diesen Arthouse-Horrorfilm noch mehr als einmal anzusehen.
Trailer
Eigentlich habe ich nicht mehr von diesem Film erwartet. Nämlich, dass es sich bei der Umsetzung um reinen Hollywood-Standard handelt und dem schon x-fach umgesetzten Thema „Besessenes Kind / Exorzismus” nicht wirklich etwas Neues abgerungen wird. Dass es sich bei dem Geist um einen Dibbuk handelt und so etwas jüdische Mythologie einfließt, macht es nun nicht spannender. Aber da war die leise Hoffnung, dass der Regisseur Ole Bornedal trotz Hollywood-Produktion nicht allzu sehr in den Klischees versinkt. Bei dem Namen denkt man ja immer noch an „Nightwatch” und auch sein letzter Film „Deliver Us From Evil” war durchaus sehr sehenswert. Nun ja …
Aber immerhin muss ich zugeben, dass ich mich nicht wirklich gelangweilt habe.
Trailer
Tatortreiniger haben keinen einfachen Job. Vor allem bei einem empfindsamen Magen. Und so muss der lässige Leo oft allein Blut und Gehirnmasse entfernen, während sein Kollege Elvis sich dem Eimer weniger professionell widmet. Ihr neuster Job führt sie tief in die norwegischen Wälder, in denen sie nicht nur die sterblichen Überreste ihres Auftrags vorfinden, sondern auch eine mysteriöse Frau, die trotz ihrer Nacktheit alles andere als ungefährlich ist. Hierbei handelt es sich nämlich um eine Huldra – ein verführerisches Waldwesen aus der mythologischen Unterwelt Norwegens. Bei einem Menschen aufgewachsen und ihres für Hulder typischen Schwanzes beraubt, ist sie dennoch nie eine brave Menschenfrau geworden. All das Mystische und auch die durchaus mit Spannung durchsetzte Handlung sind aber nicht das Beste an diesem netten Film, sondern der einfach unschlagbar trockene Humor des Duos von „No Shit Cleaning Services”.
Official Site
Trailer