Montag, 27. November 2017

Abgehakt

Zumindest für mich ein Punkt, den ich in meinem Leben einmal haben wollte: eine Gottesanbeterin hautnah erleben. In den letzten Tagen war ich gar nicht dazu gekommen, darüber zu berichten. (Vorbereitung und Durchführung von diesem Ereignis hat mich doch sehr in Beschlag genommen.) Jedenfalls saß eine Mantide auf meinem Arm und beäugte mich, den Kopf drehend zu mir hin. Dass dies nur ein Insekt ist, war nicht so einfach zu begreifen. Mich hätte es zumindest nicht verwundert, wenn sie auch zu mir gesprochen hätte. Vielleicht hat sie das auch und ich habe es nur nicht verstanden.

Mehr sehen – jenseits der Realität

Im Rahmen der add art gab es nun zum zweiten Mal wieder Nachwuchskünstler bei uns im Firmengebäude zu entdecken. Die Werke von Celia Espona Pernas als auch Marie Hoffmann sind jeweils beide stark surrealistisch beeinflusst. Während Marie Hoffmann den Blick in ihren Fotografien (zumindest scheinbar) aufs Äußerliche lenkt, so wendet sich Celia Espona mehr inneren Welten zu.



Celia Espona ließ sich in einer Serie von den Gedichten der argentinischen Dichterin Alejandra Pizarnik inspirieren – die kleinen, feinen Striche der Zeichenfeder erschaffen hier ebenso wie die wenigen, präzisen Worte der Dichterin Bilderwelten, die direkt zu einer Reise ins Unterbewusste führen. In Welten, in denen das Kindliche als auch das Bedrohliche anzutreffen sind. Die Illustrationen kombiniert mit den Gedichten existieren in sehr aparter Buchform bisher leider nur als unveröffentlichtes Muster. (Das RL-Gruselkabinett begnügt sich bis zur Veröffentlichung mit dem Druck einer Illustration). In einer anderen Serie nimmt in komplexer Weise ein zuvor nicht wahrgenommenes Alter Ego der Künstlerin mit eben dieser einen fiktiven Briefwechsel auf und schlägt künstlerisch neue Pfade ein. Werke als auch Briefe werden ausgestellt.



„Leise singende Frauen” ist ein Buch von Wilhelm Genazino, das Marie Hoffmann zu ihrer gleichnamigen Serie inspirierte, in der sie fotografisch die Absurditäten des Alltags inszeniert hat oder als solche einfach festhält – oftmals gleitet hier das Absurde ins Surreale. Bei der Serie „Modelle” fühlt man sich ins Miniaturwunderland versetzt. Man meint den Überblick von ganz oben zu haben, verliert sich aber in winzige Details, sobald man näher hinschaut. Eine noch unbenannte Serie zeigt hell von innen beleuchtete Behausungen im weitesten Sinne, die sich in Raum und Räumlichkeiten großer Dunkelheit befinden. Dies evoziert sowohl Eindrücke von etwas Unheimlichen als auch Heimeligkeit. (Und findet vielleicht einen bleibenden Platz in der Firma.)
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