Krach im Keller




Nach „Symbol” konnte man sich schon vorab vorstellen, dass man es hierbei wiederum mit einem total verrückten Film zu tun hat wie er wohl nur aus Japan kommen kann. Ganz so klamaukig wie „Symbol” beginnt R100 zwar nicht – es wird bald aber nicht minder absurd. Es ist ein Glück, dass ich diesen Film sehen durfte – hat er doch eine Altersfreigabe ab 100 Jahren. Mit mir zusammen wurde er nicht nur von den anderen Zuschauern im Kino gesehen, sondern auch von Zuschauern im Film, die sich abmühten, ihn zu interpretieren. Ein Mann führt ein unscheinbares Leben als Angestellter in einem Möbelhaus und als Vater eines kleinen Sohnes. Das ändert sich Schlag auf Schlag [sic], als er einen Vertrag bei einem BDSM-Club eingeht, wodurch er unkündbar für ein Jahr öffentliche Besuch von Dominas erhält. Das, was zunächst wie die vollkommene Erfüllung seiner Wünsche aussieht, schlägt bald gehörig über die Stränge. Für Freunde absolut aberwitzigen Humors voll überbordend kreativer Einfälle strengstens empfohlen!
Official Site
Trailer
Ein Pärchen verbringt seine Flitterwochen in einer Waldhütte in Kanada. Ruhig und harmonisch geht es los, glücklich verbringen die beiden die erste Zeit. Das ändert sich schrittweise, nachdem die junge Braut schlafwandelte. Zusehends verändert sie sich und die Beziehung des Paares zueinander. Oder bildet sich dies der Ehemann alles nur ein? Umschreiben könnte man diesen Film als Mystery-Horror – für mich allerdings alles andere als ansprechend. Spannend oder atmosphärisch inszeniert fand ich das jedenfalls nicht, zu plump wurde die Handlung abgewickelt. Den beiden Hauptdarstellern konnte ich ebenfalls nichts abgewinnen, zu eindimensional waren die Figuren gezeichnet. Um dies also gleichfalls als Beziehungsfilm bezeichnen zu können, fehlte für mich psychologische Substanz. Tja, da habe ich dieses Jahr nun doch mal wieder für mich persönlich eine Gurke erwischt.
Official Site (FB)
Trailer
Wie schon vorab geschrieben, war bei diesem Film die Vorfreude am größten. Ein paar Tage vorm Fantasy Filmfest habe ich mir zur Einstimmung auch noch mal „Amer” und fast alle Kurzfilme angesehen, welche viel direkter dem Giallo gewidmet sind als „Amer”. Ohne vorherige Erklärung wäre ich nun von „The Strange Color of Your Body's Tears” ziemlich überrascht gewesen, denn die filmische Entwicklung geht hier wieder zurück zu den Kurzfilmen. In der Ankündigung war jedoch zu erfahren, dass dies theoretisch der erste Langspielfilm von Hélène Cattet und Bruno Forzani ist, aber erst nach „Amer” realisiert wurde. So wundert es dann nicht, dass hierbei ebenso wie in den Kurzfilmen genretypische Elemente des Giallo wie z. B. schwarze Lederhandschuhe und Messerklingen wieder exzessiver eingesetzt werden. Die Handlung kann man hierbei erneut vernachlässigen: ein Mann kehrt von einer Geschäftsreise zurück, daheim ist seine Frau verschwunden und er gerät bei seinen Nachforschungen immer mehr in das Labyrinth der Geheimnisse des Hauses und seiner Bewohner sowie seiner eigenen Phantasien. Schnell verliert sich die Eindeutigkeit von dem, was man Realität nennen könnte. Wenn man sich bei „Unter the Skin” noch herausgefordert fühlt, den Film intellektuell zu erfassen, über Deutungsmöglichkeiten nachzudenken, so ist dieser Film nur rein sinnlich erfahrbar. Künstlerische Bilderwelten und die intensive Klangkulisse überfluten einen geradezu. Für viele Zuschauer war das zu viel oder sie waren soundso überfordert und verließen scharenweise das Kino. Der Rest ließ sich hypnotisieren und spendete diesem Werk transgessiver Ästhetik am Ende Applaus.
Official Site
Trailer
Die 12-jährige Hera verliert ihren Bruder durch einen blutigen Arbeitsunfall. Sein Tod ist der Auslöser, ihm in seine musikalische Welt zu folgen und das ist die des Heavy Metal. Das ist nun nicht so meine Welt, aber da es sich vornehmlich eher um die Easy-Listening-Variante handelt, also eher klassischen Metal, stört die größtenteils eingesetzte Musik wohl niemanden weiter. Auch als junge Erwachsene ist die Hauptdarstellerin ihrem Musikgeschmack treu geblieben und macht inzwischen ihre eigene Musik. In ländlicher Einöde ist sie damit sehr einsam, aber sie will auch bewusst Außenseiter sein. Den Tod ihres Bruders hat sie ebenso wie ihre Eltern immer noch nicht verarbeitet. Verständnis findet sie (fast) nirgendwo. Ihr Rebellieren mutet allerdings mitunter etwas pubertär an, trotzdem sammelt sie mit ihrer Emotionalität mühelos Sympathiepunkte. Die isländische Umgebung passt sehr gut zu diesem melancholischen Außenseiter-/Jugenddrama, dass sich eher spröde und still (Musik mal außen vor) gibt. Schön anzusehen – allerdings wenn auch nicht oberflächlich, so doch auch nicht mit sehr viel Tiefgang versehen.
Official Site (FB)
Trailer
Knastfilme, auch mit jugendlichen Straftätern, gibt es eigentlich schon genug. Wenn aber David Mackenzie der Regisseur ist, dann kann man (oder zumindest ich) davon ausgehen, dass man es hier mit einem einzigartigen Film zu hat, der einen straken Eindruck hinterlässt. Die Atmosphäre dieses Films ist voll angestauter Aggression, die man förmlich riechen kann. Eine Kleinigkeit genügt und schon explodiert alles in Brutalität. Das passiert sehr schnell und sehr oft. „Starret Up” ist ein englischer Ausdruck für die frühzeitige Überführung aus dem Jugendknast in ein Erwachsenengefängnis. Der 19-jährige Eric Love ist so ein Fall – hoffnungslos scheint es, dass er seinem Gewaltpotential je entkommen kann. Nun verlegt in den Hochrsikobereich, sind es nicht nur korrupte Wärter und andere gewalttätige Häftlinge, mit denen er nur schwer klarkommt, sondern auch sein Vater befindet sich hier. Die ambivalente Beziehung der beiden zueinander wird sehr facettenreich dargestellt. Auch wenn das Gewalttätige bei mehr oder weniger allen Darstellern dominiert, kann man trotzdem sehr nachvollziehbar die Verletzlichkeit dahinter erkennen. Insgesamt ergibt das eine so realistische Intensität, der man sich nicht entziehen kann, auch wenn man es vielleicht oft möchte. Sehr sehenswert, wenn man es aushält.
Official Site
Trailer
Es ist unmöglich, diesen Film treffend zu beschreiben und noch unmöglicher, ihn zu deuten. So rätselhaft wie das Verhalten eines Wesens in weiblicher Hülle – und so rätselhaft wie seine Augen die Menschheit wahrnehmen, so rätselhaft und vieldeutig ist dieses Werk, das unter dem Label Science Fiction (es ist ja nicht mal eindeutig, ob es sich bei diesem Wesen um einen Alien handelt) zumindest mit Sicherheit falsch eingeordnet wird. Denn hierbei handelt es sich um reines Arthouse-Kino, das einen beispielsweise an die Kunstfilme von Matthew Barney denken lässt. Isolation, Identität und Verführung sind Themen, die visuell greifbar werden. Mag sein, dass dieser Film nicht einfach zugänglich ist. Man muss sich in der Tat auf ihn einlassen können. Dann jedoch wird man wie die männlichen Opfer von der mysteriösen Hauptdarstellerin verführt und hinabgezogen in eine unbeschreibliche Tiefe, die einen gefangen hält und immer weiter in sich einspinnt. Sehr faszinierend. Und man muss diesen Film unbedingt mindestens noch einmal ansehen. Nicht, um ihn zu verstehen, sondern um noch tiefer hineinzugleiten.
Official Site
Trailer
Am Rande der Gesellschaft lebt Dwight und hat nicht viel mehr als einen rostigen Schrotthaufen als Auto. Das ist das zunächst äußerlich Sichtbare. In seinem Innern ist jedoch noch viel mehr, nämlich vornehmlich tief sitzende Rachegefühle gegenüber dem Mörder seiner Eltern. Als dieser aus dem Gefängnis entlassen wird, bekommt er Gelegenheit, Vergeltung zu üben. Damit setzt sich eine langsam, aber stetig weitere Kreise ziehende Gewaltspirale in Gang. Außergewöhnlich ist an diesem Rachethriller die sehr ruhige und sensible Inszenierung. Selten, dann aber sehr heftig, steht die Gewalt im Vordergrund. Ebenso hervorzuheben ist die äußerst realistische Darstellung. Trotzdem bei diesem Film einiges untypisch umgesetzt wurde (und das im positiven Sinne, denn meist ist dies schon sehr anspruchsvoll), kennt er dennoch nur die genretypische Richtung. Wenn man hierbei mehr die ausgetretenen Pfade verlassen hätte, wäre daraus sicher ein Film geworden, den ich sehr gemocht hätte.
Official Site
Trailer
Im Märchen gibt es die Guten und die Bösen. Yuri gehört zu den Bösen. In seiner finsteren Fabrik, die sehr nach tiefstem Ostblock aussieht, werden Babys aus Kohlköpfen am Fließband herausgeschnitten, schockgefroren und anschließend als Puppen in die glitzernden, westlich wirkenden Großstädte verkauft. Mag keiner mehr mit den Puppen spielen, werden sie zurückverwandelt und fristen ihr Dasein als Zwangsarbeiter in Yuris Fabrik. Zuvor wurde ihnen allerdings jede Erinnerung genommen. Jon, einer von den Guten, arbeitet dort, hat allerdings noch vage Erinnerungen an sein Vorleben und seine (Puppen-)mutter. Als er mehr über sie erfährt und sich für ihn und seine kleine Familie die Lage zuspitzt, flieht er samt Frau und geklauten Kohlkopfkind. Ein etwas schräger Inder (nun ja, eigentlich ist alles in diesem Film etwas oder ziemlich schräg) ist sein Fluchthelfer und bringt ihn in die Großstadt, wo er nicht nur mehr Freiheit, sondern auch seine Mutter zu finden hofft. Düster liebevoll ausgestattet ist dieser märchenhaft wirkende Film und ebenso liebevoll skurril alle Charaktere – die Guten wie die Bösen. Vorweg las ich schon eine Warnung: „Vorgewarnt sei aber jeder Zuschauer: es wird gesungen!” Es handelt sich zwar nicht um ein richtiges Musical, aber auf den Gesang hätte man von mir aus sehr gern verzichten können. Zudem ist alles doch etwas sehr kitschig. Dennoch ein sehr schönes Filmerlebnis, das mal wirklich phantasievoll ist.
Official Site
Trailer
Babadook ist eine Schreckensgestalt aus einem Kinderbuch, nur verschwindet sie nicht, wenn man die Seiten zuschlägt, sondern erwacht anschließend nach und nach zu richtiger Schreckensgröße … Die alleinerziehende Mutter Amelia hat es nicht leicht – der Tod ihres Mannes ist noch lange nicht überwunden und ihr hyperaktiver, verhaltensauffällige Sohn fordert sie von Tag zu Tag und Nacht zu Nacht immer mehr. Denn Samuel vermutet überall Monster – nach dem Lesen des schaurig-schönen Kinderbuches gehört auch Babadook dazu. Durch den Schlafmangel liegen auch bei der Mutter bald die Nerven zusehends blank. Auch wenn dieser Film als klassischer Gruselfilm ausgelegt ist, klappte das bei mir mit dem Gruseln nicht so. Sehr beeindruckt hat mich hingegen die starke Darstellung von Mutter und Sohn. Und so würde ich dies eher als ziemlich gelungenes Familiendrama bezeichnen – dazu ist der Babadook jedoch viel zu präsent.
Official Site
Trailer
Die Mutter der 17-jährigen Kat verschwindet von einem Tag auf den anderen. In einer Zeit, wo sich der Teenager auf der Suche nach sich selbst ist und zu einer Frau wird. In Rückblenden erzählt Kat einer Psychiaterin einige Zeit später was vor dem Verschwinden geschah. Die zickig-energische Mutter war zunehmend frustriert von ihrem Hausfrauendasein, unbefriedigter Sexualität und Bewusstwerdung ihres Alterns. Kat lebt jedoch zunehmend ihr eigens Leben und dies auch weiterhin und ziemlich unberührt, nachdem ihre Mutter einfach so verschwunden ist, was für sie schlicht weniger Streit und Stress bedeutet. Wichtiger sind Freunde, die erste Liebe und Musik. Die Zeit ihres Heranwachsend liegt in den 80ern und hierbei liegt auch der Schwerpunkt der sehr viel eingesetzten Musik. Genauer gesagt bei Musik aus dem Indie- und Gothicbereich. Von The Cure über Echo & the Bunnymen bis Siouxsie and the Banshees ist alles dabei, was (nicht nur) damals das düstere Teenieherz begehrte. Ein richtiger Grufti (ja, so hieß das in den 80ern) ist Kat jedoch nicht. Dennoch entströmt ihrem Wesen und dem Film gleichermaßen etwas zutiefst Melancholisches. Jene Art von Melancholie, die sich wie ein warmer Mantel weich um einen legt. Und diese Stimmung ist es auch, die den Film vor allem trägt. Die Auflösung des Geheimnisses um das Verschwinden der Mutter ist dabei gar nicht so wichtig, auch wenn es hierbei doch ein paar Überraschungen gibt. Sehr ruhig und bezaubernd ist dieses Werk insgesamt – wie Schneeflocken, die langsam vom Himmel fallen.
Official Site
Trailer
Ein Beispiel für eine sehr gelungene Vampir-Mockumentary ist „Vampires” – hier folgt das Zweite. Diesmal wird nicht das Familienleben dokumentiert, sondern das WG-Leben. Die vorgestellte Vampir-WG besteht aus dem sehr romantisch veranlagten Viago, dem rüpelhaften Deacon, dem sich leicht pervers gebenden Vladislav und dem schon eher senilen Petyr. Es gibt die WG-typischen Streitgespräche – Deacon hat seit fünf Jahren nicht abgewaschen – und ansonsten ein eher zurückgezogenes Leben, das unberührt von den Neuerungen der heutigen Zeit stattfindet. Dies ändert sich rasant, als Jungvampir Nick mit seinem Freund und IT-Spezialisten Stu hinzukommt. Dank Internet kann man so beispielsweise wieder Sonnenaufgänge genießen. Für Trubel sorgt ebenfalls eine Werwolf-Gang. Gespickt ist diese Komödie zudem mit Zitaten von so ziemlich allen, was die Vampirfilmgeschichte hergibt. Unabkömmlich sind bei dieser rundherum äußerst gelungenen Unterhaltung Taschentücher, denn man braucht eine ganze Menge bei den vielen Lachtränen. Auf ein Wiedersehen freue ich mich schon sehr, wenn dieser Film unter dem Titel „5 Zimmer Küche Sarg” hierzulande an meinem Geburtstag regulär in die Kinos kommt.
Official Site
Trailer (deutsch)
Der Film beginnt ziemlich geradlinig und anscheinend sehr vorhersehbar: ein Familienvater erschießt nächtens einen Einbrecher, anschließend wird er von dessen Vater massiv bedroht. Die Polizei nimmt den Vater dann fest. Was anschließend jedoch folgt, ist alles andere als vorhersehbar. Die Auflösung erweist sich als harte Kost, erdrückt allerdings den Plot trotzdem nicht mit Schwere. Der Charme, den dieser Film besitzt setzt sich aus vielen Elementen zusammen. Die drei Hauptdarsteller spielen ihre unterschiedlichen Rollen perfekt – zwischen tragisch und cool-komisch (Don Johnson!) ist alles sehr authentisch dargestellt. Sehr gut umgesetzt ist auch die Zeit der Handlung in den 80ern. Die zeigt sich zum einen optisch in den damals verbreiteten Geschmacksverirrungen, zum anderen mit einem 1A-Soundtrack, der fast ununterscheidbar ist von denen alter Filme von John Carpenter. Die düstere, packende Spannung mit Südstaatenfeeling rundet das alles sehr gut ab. Einzig der Wechsel von einem größtenteils ruhig erzählten Thriller zum Actionfilm gegen Ende hin, war nicht so nach meinem Geschmack.
Trailer
Der Außenseiter Jamie hatte es nicht einfach in seinem kurzen Leben – nie hatte er Freunde, wurde übelst gemobbt und fand früh den Tod. Seine ermordete Leiche findet jedoch keine Ruhe und sucht immer noch verzweifelt nach Freundschaft und Zuneigung. Nach und nach findet er diese in seinem Klassenkameraden Adam, der sich durch diese übernatürliche Verbundenheit zunehmend selbst zum Außenseiter entwickelt. Adam und seine mehr oder weniger typischen Probleme eines heranwachsenden Teenagers stehen hier weitaus mehr im Mittelpunkt als der tote Jamie. Und es ist vor allem seine sehr gute Darstellung, die diesen ruhig in Szene gesetzten Film zwischen Coming of Age und Mystery trägt. Zu der guten schauspielerischen Leistung kommt eine leicht düstere Stimmung, die sich in melancholisch-poetischen Bildern ausdrückt. Etwas erinnert dieser Film an „Donnie Darko”, obwohl er es dann doch mit Sicherheit nicht schaffen wird, dessen Kultstatus (und Vielschichtigkeit) zu erreichen.
Official Site
Trailer
Gleich mit der Anfangszene wird klar, dass die besten Zeiten des Sektenexperten Ansel Roth vorbei sind: verbissen kämpft er in einem Restaurant um sein Essen, dass er nicht bezahlen kann. Und weiter geht es auf tragischkomische Weise mit einem Einblick in sein Karrieretief. Das alles beinhaltet viel absurde Situationskomik. Man könnte also meinen, dass es sich um eine Komödie oder zumindest eine Tragikkomödie handelt. Teilweise mag dies auch zutreffen, aber als der Sektenexperte notgedrungen den Auftrag von den Eltern einer erwachsenen Tochter übernimmt, diese aus den Fängen einer Sekte zu befreien und zu „deprogrammieren”, nimmt der Film ganz andere Züge an. Die Dialoge zwischen ihm und der in ein Hotelzimmer entführten Tochter widmen sich auf ernsthafte Weise Themen wie Manipulation, Gedankenkontrolle, Vetrauen oder den freien Willen. Ab und zu sind allerdings wiederum skurrile Szenen eingestreut und mitunter, wenn auch sehr selten gibt es auch Gewaltszenen. Das hört sich jetzt ziemlich zusammengewürfelt an, aber der Film bildet mühelos ein homogenes Ganzes, das sich schwer beschreiben lässt und auf jeden Fall sehr einzigartig ist. Gleich mit dem ersten Fresh Blood habe ich also einen sehr sehenswerten Film erwischt.
(Leider nicht mal ein Trailer.)
Ein zurückhaltender und sich gesittet gebender Maßschneider, der ein feines, kleines Geschäft unterhält, liebt es nicht nur Stoffe zu zerteilen, sondern auch zartes Fleisch von Frauen, um dies gebraten zu verspeisen. Ebenso wie das Fleisch offensichtlich nicht scharf angebraten und nur einen kleinen Löffel Würze erhält, verhält sich dieser Film. Ja, ich mag es, wenn etwas filmisch nicht reißerisch umgesetzt wird. Und ja, ich habe auch nichts dagegen, wenn das sehr ruhig angegangen wird. Aber dies war mir doch etwas zu ruhig. Oder lag dies doch etwas mehr daran, dass dieser Film quasi erst nach Mitternacht gezeigt wurde? Spannung wurde bei mir zu dieser Zeit jedenfalls nicht erzeugt – wobei ich sehr oft Filme schätze, bei denen die Spannung gerade aus der ruhigen Inszenierung entsteht und Faszination durch die Nähe zu dem Hauptdarsteller. Der aber hierbei ebenfalls für Distanz beim Zuschauer sorgte. Schön anzusehen waren dagegen spanische Orte im Dauerregen oder tief verschneite, schroffe Landschaften in Spanien. Aber bei dieser sehr, sehr langsamen Umsetzung war ich froh darüber, dass mein Sitznachbar ab und zu mit seiner Kaffeetasse rumklimperte, so dass ich nicht einschlief. Es mag wie gesagt sein, dass der Zeitpunkt des Ansehens zu dieser Einschätzung führte, aber die Intension, vielleicht noch mal unter anderen Vorraussetzungen zu einer anderen Wertung zu kommen, ist doch sehr gering.
Official Site
Trailer